CHRISTOPHBORNEWASSER

Diplom-Psychologe - Fotografie - Erwachsenenbildung - Märchenerzähler

Es ist Samhain… - Mein erster Blog vom 1.11.2006

Erinnerungen an meinen alten Blog


Heute ist ein Tag... die Tore zwischen den Welten sind offen...

Erster Eintrag vom 1.11.2006


Vor diesem und dem flatpress-Blog hatte ich eine ganze Reihe Blogs. Es fing an mit kostenlosem, werbefinanziertem Webspace und einer Domain www.MONDHELD.de um mein Forschungsprojekt Mondheld vorzustellen. 2006 dann bekam ich meinen eigenen, gemieteten Webspace und die zusätzliche Domain www.christoph-bornewasser.de, die für meine damalige Beratungspraxis gedacht war. Endlich konnte ich meine eigene Webseite so aufbauen, wie ich es wollte - ohne lästige Werbebanner. Das waren statisch html-Seiten und ich fing an html und css zu programmieren. Musste man damals. Die wenigen Editore, die what-you-see-is-what-you-get (WYSIWYG) beherrschten, waren teuer. Stück um Stück entwickelte es sich bis - wie ich fand - ich eine schicke Seite hatte. Die Inhalte sind noch hier. So sahen die Intro-Seiten und die Index-Seite aus:

Image

Und ich fing einen Wordpress-Blog an - mit eben jenem Eintrag oben. Vor 12 Jahren. Es ging um Gedichte, Geschichten, Märchen und Mondhelden. Es ging um Philosophie und Psychologie. Es gab auch einige wenige Fotos. Damals habe ich noch analog fotografiert und Bilder scannen und hochladen dauerte ewig. Deswegen waren es auch immer nur kleine Bilder. Aber PC-Bildschirme waren halt auch noch viel kleiner und hatten eine geringer Auflösung. Und Smartphones und Tablets waren noch nicht in Sicht.

Den Blog habe ich noch aber irgendwie funktionieren Bilder nicht oder nur wenn sie dort hochgeladen werden. Hier noch ein Eintrag aus dem Jahr 2006:


In Geschichten verstrickt

Es war einmal Mann, Wilhelm Schapp war sein Name und er war Philosoph und Richter in der schönen ostfiesischen Stadt Aurich. Er dachte viel über die Menschen nach - die Menschen und ihre Geschichten. Naja, sagt ihr, als Richter wird er wohl einige Märchen zu hören bekommen haben. Gewiss! Vor dem Richterstuhl wird manches erzählt. Ob das alles so stimmt, ist immer so 'ne Sache. Aber nein, er dachte anders darüber nach: Er erkannte nämlich, dass, wenn wir irgendetwas von Menschen verstehen wollen, dann müssen wir uns ihre Geschichten anhören. Müssen uns anhören, worüber sich ein Mensch ärgert und was ihn freut. Müssen uns anhören, was ihn beschäftigt und was ihn kalt lässt. Wie er seinen Tag verlebt und wie er mit seinen Nachbarn umgeht. Was ihm wertvoll und was ihm überflüssig erscheint. Und all das werden wir nur erfahren, wenn wir uns seine Geschichte anhören. Die Geschichten, die die Menschen erzählen, in die Menschen verstrickt sind, die sie leben und erleiden. Es gibt in Wahrheit nichts, was wir über den Menschen sagen könnten, was nicht Teil einer solchen Geschichte wäre. Wir Menschen leben Geschichten, unser Leben ist eine Geschichte, die es zu erzählen und zu hören gilt.

Menschen erzählen uns oft Geschichten, manche sind gut ausgedacht, manche sind wahr. Manche Menschen können gut erzählen und es ist spannend, ihnen zuzuhören. Bei manchen, naja, bedauern wir nach dem ersten Satz, das wir gefragt haben. Immer aber erzählen die Menschen von sich - von dem, wie sie sind und wie sie gerne sein möchten. Und dies hängt unweigerlich zusammen. Und selbst, wenn der Mensch etwas zu verbergen sucht, er offenbart es unweigerlich - so wie er erzählt. Und auch, wenn manche Lebensgeschichte wenig märchen- oder sagenhaft erscheint - ja im Gegenteil sogar eher wie ein böser Traum oder eine Gruselgeschichte daher kommt - Märchen sind urverwandt mit unseren Lebensgeschichten: Märchen erzählen nämlich im Gegensatz zu Göttersagen und Mythen nicht von Übermenschlichem sondern von Menschen: ihren Nöten, ihren Verstrickungen und dem, was die Not wendet, den Gefangenen befreit und den Verwunschenen erlöst. Hans Christian Andersen hat die autobiographische Skizze, die als Vorwort seine Bücher einleitet, "Märchen meines Lebens ohne Dichtung" genannt. Märchen - zumindest die alten Volksmärchen - sind aber nicht Geschichten Einzelner, sondern Geschichten, die Einer erzählt und ein Anderer gehört und weitererzählt hat. Und dann gilt, was ich weiter unten gesagt habe:

Menschen erinnern sich an Märchen
[und erzählen sie dann],
weil Märchen die Menschen an etwas erinnern,
was sie anrührt und bewegt.

Märchen sind also die Mustergeschichten hinter unserer (seelischen) Bewegung. Sie sind die Vorlagen und Abbilder des realen Menschenlebens. Sie sind Parallele und Variante der gelebten Geschichte. Oder wie Wilhelm Schapp sagen würde:

Der Mensch ist
- ob er will oder nicht -
in Geschichten verstrickt!

Mein Dank an Uwe Lauken, der mir erstmals von Wilhelm Schapp erzählt hat.

Eintrag vom11.12.2006


Im selben Zeitraum begann ich auch einen Blog auf 360° von Yahoo, wo sich sehr schnell auch eine Gemeinschaft von Lesern fand. War sowas wie tumblr heute, nur nicht so melancholisch. Es war poetisch, kreativ und gedanken-tief. Später wechselten viele und auch ich nach Blog.de, weil Yahoo immer komischer wurde. Beide Anbieter existieren nicht mehr, enstprechend auch die Blogs nicht mehr. Eigentlich schade. Es war eine etwas andere Welt als facebook, instagram oder tumblr.

Meine Webseite stellte ich dann um 2010 auf Joomla um und fing an auch php zu programmieren. Der Vorteil war die hohe Flexiblität der Software, der Nachteil aber ein sehr komplexes System von Komponenten und Plugins, welches mich als "interessierten" Programmversteher immer wieder überforderte.

Später - 2013 - kam dann der Flatpress-Blog dazu, den ich eher für das "schnelle" Posten von Bildern benutzte. Dort begann ich dann im großen Stil Plugins zu programmieren. Leider ist das auch notwendig, da Flatpress nicht mehr weiterentwickelt wird.

Da ich CMS mit nur Dateien mag, schaute ich um, welche Software für mich in Frage kommen würde. Ich entdeckte Yellow und habe nun viele Einträge in diesen Blog umgesiedelt. Design und Plugins gefallen mir.