CHRISTOPHBORNEWASSER

Diplom-Psychologe - Fotografie - Erwachsenenbildung - Märchenerzähler

Finn MacCumhal und der walisische Riese

Schnee in den Bergen von Kerry

Zu jener Zeit als die Heldentaten von Finn MacCumhal in aller Munde waren, hörte auch ein Riese in Wales davon. Nun war dieser gewiss der mächtigste Riese in ganz Britannien und selbst auf dem Kontinent konnte man kaum jemanden finden, der es mit ihm aufnahm. So entschloss sich der Waliser, nach Irland zu gehen und seinen Rivalen Finn herauszufordern.

Eines schönen Tages, als besonders niedriges Wasser in der Irischen See war, machte sich der Riese auf und marschierte quer hindurch, weiter durch Irland bis er zu den Tomies Bergen nahe Killarney kam, wo Finn wohnte. Als der Waliser nun Kerry betrat hörte und sah Finn einen Feind, den er sich nicht wünschte. Nicht nur, dass er größer war als alles, was Finn kannte. Auch seine Waffen versetzen den Führer der Fianna in Angst und Schrecken. Doch Finn wäre nicht Finn, wenn er nicht neben der Stärke seiner Arme auch eine ganze Menge Witz besitzen würde. Und so ersann er eine List. "Manchmal siegt der Schlauere über den Stärkeren!", sagte er sich und lief zu seiner Mutter und bat sie, einige Pfannkuchen zu backen. Die Iren waren schließlich berühmt für ihre Gastfreundschaft, selbst wenn der Gast ein Feind war.

Als der Waliser nun bei Finn anlangte, da lud ihn Finn zunächst ein, etwas mit ihm zu essen. Der Riese nahm das gerne an, war der Weg doch ganz schön weit gewesen. Der Waliser grinste vor sich hin: Finn war viel kleiner und wirkte bei weitem schwächer als er selber, so glaubte er seinen Kampf schon gewonnen. Bei Tisch reichte Finn dem Riesen nun einen Pfannkuchen und nahm sich selber einen. Doch bei dem, den er dem Riesen reichte, hatte er heimlich die Metallplatte, auf der er gebacken wurde, drunter gelassen. Der Waliser merkte es nicht! Was er merkte war, dass Finn schon bald fertig war während er kaum die Hälfte geschafft hatte. Doch das hätte ihn gewiss nicht in Schrecken versetzt, wenn er sich nicht schon eine ganze Reihe Zähne daran ausgebissen hätte. "Mit einem Pfannkuchen wird man ja nicht satt! Da ist ja nichts dran", sagte Finn und machte sich auf, um Nachschub zu holen. Da packte den Waliser nun die Angst: So unscheinbar dieser Finn auch war, so mächtig schien er zu sein. An seinen Pfannkuchen, die Finn so weg aß, biss sich ein einfacher Riese wie er alle Zähne aus. Und als Finn aus dem Zimmer war, schlich sich der Riese davon und lief nach Hause. Nie wieder hat er einen Fuß auf Irland gesetzt.

Aus “Legends Of Killarney”, übersetzt und nacherzählt

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