CHRISTOPHBORNEWASSER

Diplom-Psychologe - Fotografie - Erwachsenenbildung - Märchenerzähler

[blogFilter] 2007

Die Brüder und das Nullsummenspiel

Die Brüder auf dem Goldhorn von Gallehus

Eine Idee, die hinter dem Mondheld steckt, stecken könnte, ist, dass die Menschen die Verbundenheit von Brüdern in einem Schicksal erfahren haben und dass sie die Erfahrung gemacht haben, dass des Einen Vorteil zuweilen des Anderen Nachteil ist. In der Wissenschaft nennt man dies ein Nullsummenspiel. Macht einer Gewinn (z.B. + 10,- €) macht der Andere Verlust (z.B. – 10,- €) und beides summiert sich zu 0,- €. Die Welt ist nicht immer so. Es gibt auch Zusammenhänge, in denen Wachstum möglich wird, in denen die Summen aller Gewinne und Verluste nicht gleich Null sind – ebenso ist es möglich, dass es Schwund gibt, dass einfach alle Verlust machen. Aber im Alltag gehen wir spontan davon aus, dass des Einen Vorteil eines Anderen Nachteil ist. So lange wir auf der Vorteilsseite sind, stört uns das ja auch nicht so doll.

In der urtümlichen, recht überschaubaren Lebenswelt der Menschen war dies aber problematisch. Wenn ich Früchte fand und sie benutzte um MEINEN Hunger zu stillen, dann konnte kein Anderer seinen Hunger damit stillen. Wenn ich die Gunst eines anderen Menschen erwarb, dann war diese Möglichkeit einem Anderen verwehrt. Menschen wurden also zu Rivalen, Rivalen um Ressourcen und die Gunst des Schicksals und der Göttlichen. Was also, wenn ich in einer überschaubaren Gemeinschaft eine solche Rivalität erlebte?

Genau dort beginnt der Mondheldmythos: Des Einen Vorteil und des Anderen Nachteil kann nämlich eine einfache Lösung finden, die allerdings aus heutiger Sicht zunächst irritiert. Wenn Einer nämlich den Nachteil für alle auf sich nimmt, dann erhalten ja die Anderen den Vorteil! Die Idee des sich selber opfernden Heldens entsteht. Kein Menschenopfer im heutigen Verständnis – kein Opfern von Unnötigen, Entbehrlichen, Unliebsamen durch die Hand eines Mächtigen, sondern ein freiwilliges, heldenhaftes Sich-selber-Opfern zum Vorteil der Gemeinschaft, die ich liebe und schützen möchte. Wir kennen dieses heroische Motiv aus Hollywoodfilmen und der Literatur. Zwar verlieren wir den Sich-Opfernden schnell aus dem Blick und schauen nur auf die glücklichen Bevorteilten, aber zumindest bei mir regt sich angesichts dieser Opferbereitschaft und dieses Mutes ein seltsames – nicht negatives – Gefühl. Wenn ich sehe, wie Menschen in Katastrophensituationen ihre eigenen Interessen hintan stellen und ihr Leben und Wohlergehen riskieren, um andere Menschen zu retten, dann überläuft mich ein Schauder… Nicht wohlig aber auch nicht entsetzt…

Was also, wenn die Uridee des Mondhelden genau dort ansetzt: Der eine Bruder opfert sich für das Wohl des Anderen.

Aus einem Buch über das Goldhorn von Gallehus
Aus meinem alten 360°-Blog


Herbstspaziergänge

In dem letzten Monat habe ich einige Spaziergänge um die Thülsfelder-Talsperre und durch die Geest beim Eleonorenwald gemacht. Eine zauberhafte Welt, selbst um diese Jahreszeit.

Aus meinem alten 360°-Blog


Vesta & Ianus

Hof Haake im Museumsdorf Cloppenburg
Hof Haake im Museumsdorf Cloppenburg

Momentan verirren sich meine Gedanken um den Mondheld abwechselnd in die alten Bauernhäuser des Museumsdorfes in Cloppenburg und die römische Mythologie. Ich war auf der Suche nach Informationen zu dem römischen Zwillingspaar Romulus & Remus. Diese sind mit einiger Sicherheit Mondhelden und in Verbindung mit einer wissenschaftlichen Arbeit von Heino Gehrts öffneten sie den Blick auf weitere Aspekte der Geschichte. Nun, die beiden waren auf jeden Fall die Söhne einer Vestalin namens Rhea Silvia und des Gottes Mars. Mars kennen wir heute nur noch als Kriegsgott, aber urtümlich war er wohl ein Feldgott und Gott des Jahresanfangs. Wie dem auch sei: Als ich so im Umfeld las, stolperte ich über den Satz, dass die beiden zentralen Gottheiten der niederen (d.h. häuslichen) römischen Mythologie Vesta und Ianus seien.

Vesta, die Göttin des Herdfeuers, und Ianus, der zweigesichtige Gott der Schwelle, erinnern in besonderer Weise an die Sonnenbraut und den Mondheld. Die Sonnenbraut ist die im alten Sinne jungfräuliche Hüterin des Hauses und des Herdfeuers – kein Aschenputtel, sondern die souveräne Herrin des lichten Kreises. In Rom hüteten die Vestalinen, die Priesterinnen der Vesta, das Staatsfeuer. Doch stärker noch als dieser große Kult war ihr kleiner Kult in jedem Haus. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Rhea Silvia, die Mutter von Romulus und Remus, eine Vestalin war.

Der Mondheld ist ähnlich wie Ianus zweigesichtig. Ein Gesicht wendet sich dem Feuerplatz und damit Vesta zu und eines sucht das Heil in der Fremde. Seit altersher hat den Menschen diese Unentschiedenheit auf der Türschwelle Angst gemacht. Sie bannten den seltsamen Geist, der nicht weiß, wohin er sich wenden soll. Ianus ist uns noch heute als Namensgeber für den Schwellenmonat Januar vertraut. Sein Tor auf dem Forum in Rom zeigte an, ob Krieg oder Frieden herrschte. Ob die Söhne Roms aus der Stadt hinaus ziehen oder in sie zurück kehren durften.

Selbst in den alten Bauernhäusern kommt das Gefühl auf, wie die beiden Gottheiten bis vor wenigen Jahren das Leben der Menschen bestimmt haben… Das Herdfeuer, an welchem man sich auf der Diele erwärmen konnte und die Schwelle, über die man ins Haus oder aus ihm hinaus stolpern konnte…

Hof Wehlburg im Museumsdorf Cloppenburg
Hof Haake im Museumsdorf Cloppenburg

Aus meinem alten 360°-Blog


Das Pianoforte - 2007

Da war einmal ein Pianoforte, das war ein richtiges Konzertklavier. Es konnte - wie der Name schon sagt - ganz piano, das heißt leise, und ganz forte, das heißt laut, spielen. Doch sein Besitzer konnte gar nicht klavierspielen. Er hatte das Instrument geerbt und wusste nicht viel damit anzufangen. Aber die Eltern hatten immer gesagt: Das ist viel zu kompliziert, das lernst Du nie. Und so hatten sie ihm keinen Klavierunterricht gegeben. Ab und zu versuchte er sich an dem Instrument... ganz sacht drückte er die Tasten, manchmal schwang ein Ton. Oft aber blieb es stumm. Er wusste nicht, wie man die Saiten zum Klingen bringt - woher auch? Dann kam immer der blöde Onkel zu Besuch, der konnte spielen. Und der setzte sich ans Klavier und haute in die Tasten, dass alle sich die Ohren zu halten mussten... Das war seltsam! Einerseits wollte der Junge sein Instrument spielen können. Aber dann dachte er: Bevor ich so spiele, lass ich es lieber bleiben...

Aber ab und zu überkam es ihn. Dann versuchte er sich und jedes Mal misslang es. Er fand nicht die richtigen Töne. Das doofe Ding klang nicht so, wie es sein sollte. Nicht so, wie es bei anderen klang. Irgendwann - er war schon herangewachsen - klimperte er und plötzlich hörte er aus den Tönen, die er anschlug, "Hänschen klein" heraus... "Hänschen klein", dachte er, das ist doch ein Kinderlied. Wieso sollte ich ein Kinderlied spielen. Aus dem Alter bin ich doch wohl heraus! Aber es war das einzige Lied das er konnte. Und wenn er spielte, dann spielte er "Hänschen klein". Und wenn er sich dabei ertappte, dann ließ er es sein. Denn das ist doch ein Kinderlied... Ich möchte ein Klavierkonzert spielen können, dachte er, aber kein Kinderlied.

Hänschen klein ging allein
in die weite Welt hinein
Stock und Hut steh'n ihm gut
Er ist wohlgemut...
Aber seine Mutter weinet sehr,
hat ja nun kein Hänschen mehr.
Wünsch Dir Glück,
sagt ihr Blick,
kehr nur bald zurück.
Sieben Jahr, trüb und klar
Hänschen in der Fremde war
da besinnt sich das Kind
läuft nach Haus geschwind.

Einmal hörte die junge Frau von nebenan, wie der junge Mann wieder einmal "Hänschen klein" spielte. Sie spielte Flöte. Und da sie zufällig gerade ihr Instrument in der Hand hatte, da stimmte sie mit ein. So lernten sich die beiden kennen. Und sie brachte ihm bei, wie man Pianoforte spielt. Es war nicht einfach... Er dachte immer, sie müsste ihn für völlig bekloppt halten, weil er nicht wusste, was ein Akkord ist und wie man ihn spielt, nicht wusste, wie die Noten heißen und wie man sie aufs Papier und vor allem wieder davon ins Instrument bringt. Und oft schoss ihm der Satz seiner Eltern durch den Kopf: "Das lernst Du nie. Das ist viel zu kompliziert für dich!" Und dann gerieten sie in Streit und er sagte böse Sachen zu ihr und sie war sehr traurig. Aber - nach einer Zeit - versöhnte sie sich jedes Mal und dann fingen sie wieder an zu spielen... Und irgendwann konnte er Klavierspielen. Und sie spielte dazu Flöte. Und das klang wirklich sehr schön. Und so übten sie und übten... Womöglich würde das Pianoforte einmal das machen, wozu es gebaut worden war: Ein Konzert geben... Das Klavier träumte davon schon lange... Und manchmal, wenn Menschen nur zäh genug sind und sich nicht scheuen, da anzufangen, wo Kinder anfangen, wenn sie anfangen, dann gelingt ein Wunder. Es hat keinen Sinn auf Wunder zu warten. Man muss einfach mit was Einfachem anfangen... Mit "Hänschen klein" zum Beispiel...

Doch ist's nun kein Hänschen mehr,
nein, ein großer Hans ist er
braun gebrannt
Stirn und Hand
wird er wohl erkannt?
Eins, zwei, drei,
geh'n vorbei,
wissen nicht, wer das wohl sei.
Schwester spricht:
Welch Gesicht?
Kennt den Bruder nicht.
Doch da kommt die Mutter sein,
schaut ihm kaum ins Aug' hinein,
ruft sie schon: Hans, mein Sohn!
Grüß Dich Gott, mein Sohn!

Aus meinem ehemaligen Peronnik L'Idiot Blog auf 360°


Wieder ist Samhain 2007

Newgrange alte Postkarte (Quelle nicht bekannt) - Co. Meath - Irland

Es ist Samhain
Heute ist ein Tag die Tore zwischen den Welten sind offen

Wenningstedt - Denghoog - Sylt - Deutschland

Heute ist wieder so ein Tag, ein Tag an dem die Tore zwischen den Welten geöffnet sind. Lies mehr…