CHRISTOPHBORNEWASSER

Diplom-Psychologe - Fotografie - Erwachsenenbildung - Märchenerzähler

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Märchen & Moral

Märchen erzählen nicht von Gut und Böse, von Richtig oder Falsch. Sie erzählen von Mangel und Schritten dahinaus. Sie erzählen von Misslingen und Gelingen. Sie variieren die Suche nach Lösung und schauen, was geschieht. Es geht ihnen um Erfolg oder Misserfolg, Glück oder Unglück. Zuweilen ist das Glück unmoralisch. Doch das stört das Märchen nicht. In günstigeren Fällen deckt sich Glück und Moral – doch bedenke: es ist Deine Moral, Deine Sicht auf die Welt! Andere müssen sie nicht teilen. Dem Märchen ist es egal.

Aus meinem alten Blog auf blog.de


Märchen & Seele

Märchen bewegen uns.

Irgendwie sind sie Ausdruck von Seelenbewegungen und sie bewegen ihrerseits die Seele. Manchmal mehr, manchmal weniger. Manchmal ist es ein angenehmes Streicheln, manchmal ein leichtes Schubsen und Knuffen, manchmal schlagen sie uns vor den Kopf. Im Alltag ist es absolut normal und hinreichend, dass wir die Märchen lieben, die uns nett bewegen, und die Märchen nicht mögen, die uns irritieren und verstören.

Die Frage, die zuerst zu beantworten ist, ist also: Was will ich von den Märchen, von diesem bestimmten Märchen? Will ich gestreichelt werden oder suche ich Konfrontation mit Störendem.

Was wollen uns Märchen erzählen? Was wollen wir hören?

Aus meinem alten Blog auf blog.de


Vesta & Ianus

Hof Haake im Museumsdorf Cloppenburg
Hof Haake im Museumsdorf Cloppenburg

Momentan verirren sich meine Gedanken um den Mondheld abwechselnd in die alten Bauernhäuser des Museumsdorfes in Cloppenburg und die römische Mythologie. Ich war auf der Suche nach Informationen zu dem römischen Zwillingspaar Romulus & Remus. Diese sind mit einiger Sicherheit Mondhelden und in Verbindung mit einer wissenschaftlichen Arbeit von Heino Gehrts öffneten sie den Blick auf weitere Aspekte der Geschichte. Nun, die beiden waren auf jeden Fall die Söhne einer Vestalin namens Rhea Silvia und des Gottes Mars. Mars kennen wir heute nur noch als Kriegsgott, aber urtümlich war er wohl ein Feldgott und Gott des Jahresanfangs. Wie dem auch sei: Als ich so im Umfeld las, stolperte ich über den Satz, dass die beiden zentralen Gottheiten der niederen (d.h. häuslichen) römischen Mythologie Vesta und Ianus seien.

Vesta, die Göttin des Herdfeuers, und Ianus, der zweigesichtige Gott der Schwelle, erinnern in besonderer Weise an die Sonnenbraut und den Mondheld. Die Sonnenbraut ist die im alten Sinne jungfräuliche Hüterin des Hauses und des Herdfeuers – kein Aschenputtel, sondern die souveräne Herrin des lichten Kreises. In Rom hüteten die Vestalinen, die Priesterinnen der Vesta, das Staatsfeuer. Doch stärker noch als dieser große Kult war ihr kleiner Kult in jedem Haus. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Rhea Silvia, die Mutter von Romulus und Remus, eine Vestalin war.

Der Mondheld ist ähnlich wie Ianus zweigesichtig. Ein Gesicht wendet sich dem Feuerplatz und damit Vesta zu und eines sucht das Heil in der Fremde. Seit altersher hat den Menschen diese Unentschiedenheit auf der Türschwelle Angst gemacht. Sie bannten den seltsamen Geist, der nicht weiß, wohin er sich wenden soll. Ianus ist uns noch heute als Namensgeber für den Schwellenmonat Januar vertraut. Sein Tor auf dem Forum in Rom zeigte an, ob Krieg oder Frieden herrschte. Ob die Söhne Roms aus der Stadt hinaus ziehen oder in sie zurück kehren durften.

Selbst in den alten Bauernhäusern kommt das Gefühl auf, wie die beiden Gottheiten bis vor wenigen Jahren das Leben der Menschen bestimmt haben… Das Herdfeuer, an welchem man sich auf der Diele erwärmen konnte und die Schwelle, über die man ins Haus oder aus ihm hinaus stolpern konnte…

Hof Wehlburg im Museumsdorf Cloppenburg
Hof Haake im Museumsdorf Cloppenburg

Aus meinem alten 360°-Blog


Wieder ist Samhain 2007

Newgrange alte Postkarte (Quelle nicht bekannt) - Co. Meath - Irland

Es ist Samhain
Heute ist ein Tag die Tore zwischen den Welten sind offen

Wenningstedt - Denghoog - Sylt - Deutschland

Heute ist wieder so ein Tag, ein Tag an dem die Tore zwischen den Welten geöffnet sind. Lies mehr…

Von der Königstochter und dem kleinen Frosch - 2007

Froschkönig gezeichnet von Otto Ubbelohde, von mir koloriert Also: Da war einmal ein König, der hatte drei Töchter, die waren alle schön, aber die Jüngste war die Schönste von allen. Sie war so schön, dass selbst die Sonne, die ja schon so viel gesehen hat, sich jedes Mal, da sie ihrer ansichtig wurde, wunderte... Und - ich wette - wenn ihr sie sehen könntet, dann stündet ihr mit offenen Maul da und würdet staunen... Und dabei würdet ihr nicht wirklich intelligent aussehen... Ich weiß, wovon ich rede!

Nun gut, hübsch war sie, das kann keiner leugnen. Aber irgendwie war sie ein komisches Mädchen. Häufig langweilte sie sich und dann ging sie hinunter in den Garten des väterlichen Schlosses, quer über die Wiese zu den Bäumen und dort bog sie dann ab, ging an dem kleinen See entlang in den Wald, der da wuchs. Dann noch ein wenig bergan, dort war ein kleiner Quell, der sprudelte munter vor sich hin. Heute würde sie sicher woanders hin gehen. Heute würde sie shoppen fahren, mit ihren Freundinnen und Kumpels abhängen oder zu Hause bleiben, ihren PC anwerfen, durch die Welt surfen und chatten, was das Zeug hält, oder mit ihrem Gameboy oder irgendeiner anderen Konsole spielen...

Am Quell angekommen, schaute sich das Mädchen sicherheitshalber um, ob ihr nicht irgendjemand gefolgt sei. Dann warf sie ihren goldenen Ball - naja, der war natürlich nicht wirklich aus Gold - ich mein: Überlegt mal, wie schwer so'n Teil wäre. Damit könnte keiner spielen! Das war also nur ein ganz normaler Ball, der halt goldfarben war. Aber ihr war das egal. Sie mochte den Ball leiden. Sie wusste sich nichts Schöneres, als ihren Goldball zu werfen und ihn zu fangen... Das war ihr liebster Zeitvertreib - na, ob das viel besser ist als Spielkonsole, ich weiß nicht...

Nun passierte es aber, dass der Ball einmal so doof hinaufgeworfen und so doof herunter gekommen war, dass sie ihn nicht hätte fangen können, es sei denn, sie wäre mit samt Klamotten in den kleinen Quellteich gesprungen. Na, sie überlegte noch, ob sie es tun sollte, aber da machte es schon »plumps« und das Ding verschwand im kühlen Nass... »Upps«, dachte sie, »wie das jetzt?« Denn der Ball, war doch eigentlich leicht genug zum Werfen und nun fällt er ins Wasser und geht einfach so unter... »Wenn da mal nicht ein böser Zauber im Spiel ist«, denkt sie noch so bei sich und blickt verwundert in den Teich. Im Wasser formiert sich eine Gestalt, die langsam aber stetig zur Wasseroberfläche hinauf kommt. Nein, es ist nicht der Ball, der es sich anders überlegt hat und nun doch schwimmen kann, nein, es ist nicht golden sondern grün. Und es hat kurze Vorder- und große Hinterfüße... Es ist ein Frosch! Und wie der auftaucht, da ist’s so, als wenn auf seinem kleinen Kopf zwischen den Augen eine goldige Blüte kleben würde - sieht fast aus wie 'ne kleine Krone.

Kaum oben quakt er sie schon an: »Ich glaub es hackt! Was soll'n das? Kannst Du nicht aufpassen? Sitzt man hier nichtsahnend und träumt vor sich hin und dann schmeißt Du mit Goldkugeln nach einem...« »Oh, 'tschuldigung!«, sagt sie ganz verdattert - nicht, weil der Frosch sie anquakt, sondern, dass er SO sauer ist, »war keine Absicht!« »Das kann man ja immer sagen...«, grummelt der weiter, aber seine Gesichtszüge - soweit man von so was bei einem Frosch reden kann - entspannen sich schon wieder ein Bisschen. »Ach«, denkt er nämlich bei sich, »so von Nahem betrachtet, ist das ja 'ne dolle Braut...« Fragt mich jetzt nicht, was sich Frösche unter einer »dollen Braut« vorstellen. So viel ich weiß, lassen sich die Froschmännchen - die übrigens meist viel kleiner als die Weibchen sind - von ihren Frauen durch die Gegend tragen. Und so gesehen, wäre die Königstocher natürlich eine echt gute Partie. Königstöchter kommen schließlich weit herum.

Was soll ich euch sagen? Es dauert nicht lange, da sitzen die beiden da am Teich und plaudern, über dies und das. Aller Ärger ist beim Frosch verraucht und die Königstochter hat sich auch wieder beruhigt. Und der Frosch erzählt ihr eine Geschichte, die er mal von einem anderen Frosch gehört hat, dass nämlich hier in der Gegend ein verwunschener Froschkönig sein Leben friste und dass er nur darauf wartete, endlich mal 'ne echte Königstochter zu treffen und sich von ihr abschleppen zu lassen. Und dann habe das auch irgendwie geklappt. Und er sei mit der Königstochter nach Hause gegangen, habe sich in ihrem Handtäschchen versteckt und habe sich an ihrem Vater vorbei in ihr Schlafgemach geschlichen - wie schleichen Frösche eigentlich? - und dann hätten sie die amüsanteste Nacht gehabt, die man sich vorstellen könne - feucht, fröhlich, so zu sagen. Am andern Morgen sei er noch immer ein Frosch gewesen und die enttäuschte Königstochter hätte ihn genommen und an die Wand geklatscht. »Na ja, er hat's überlebt. Konnte sich dann wieder zurück in den Teich retten und schwört seit her, sich nicht mehr mit Prinzessinnen einzulassen. Und wenn er nicht gestorben ist, dann quakt er noch heute«, endet der Frosch. Die Königstochter lacht herzlich und erzählt dem Frosch ein anderes Märchen.

Und die Zeit vergeht, es wird Abend. Es dämmert schon und die beiden plaudern immer noch. Da hört das Mädchen mit einem Mal Rufen und zwei Männer aus der Leibgarde ihres Vaters kommen mit einer Laterne des Weges und suchen sie... Über's Plaudern mit dem Frosch, hat das Mädchen glatt die Zeit vergessen. Sie verabschiedet sich von dem Frosch und der verschwindet in dem Quell. Zu Hause muss sie sich eine Standpauke von ihrem Vater anhören. Der hatte sich natürlich Sorgen gemacht, als sie zum Abendessen nicht heimgekommen war. Und die blöde Ausrede mit dem sprechenden Frosch fand er gar nicht witzig. An dem Abend musste sie ohne Essen ins Bett und da lag sie, und träumte... von ihrem kleinen Froschkönig...

Anderntags lief sie wieder in den Wald, zu dem Quell. Da lag ihr goldener Ball im Gras daneben, aber vom Frosch mit der goldenen Blüte auf dem Kopf fehlte jede Spur. Sie rief ihn... aber er antwortet nicht. Sie ließ den Ball in den Quell fallen, aber - welch Wunder! - der schwamm und ging nicht unter! Ganz verzweifelt setzte sich die Königstochter an den Quell und weinte, weinte bitterlich, schrie, dass sich die Steine erbarmen. Denn sie hatte sich verliebt, in einen kleinen Wasserpatscher, den kleinen grünen Frosch mit einer goldenen Blüte auf dem Kopf...

Merke:
Froschkönige und Traumprinzen sind wirklich süß
aber das Erwachen am nächsten Morgen
bringt die Wirklichkeit zum Vorschein!

Bild nach Otto Ubbelohde aus der digitalen bibliothek - Band 110 - Europäische Märchen und Sagen - Von mir koloriert!

Aus meinem Peronnik L'Idiot Blog auf 360°