CHRISTOPHBORNEWASSER

Diplom-Psychologe - Fotografie - Erwachsenenbildung - Märchenerzähler

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Es ist Samhain… - Mein erster Blog vom 1.11.2006

Erinnerungen an meinen alten Blog


Heute ist ein Tag... die Tore zwischen den Welten sind offen...

Erster Eintrag vom 1.11.2006


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Die Brüder und das Nullsummenspiel

Die Brüder auf dem Goldhorn von Gallehus

Eine Idee, die hinter dem Mondheld steckt, stecken könnte, ist, dass die Menschen die Verbundenheit von Brüdern in einem Schicksal erfahren haben und dass sie die Erfahrung gemacht haben, dass des Einen Vorteil zuweilen des Anderen Nachteil ist. In der Wissenschaft nennt man dies ein Nullsummenspiel. Macht einer Gewinn (z.B. + 10,- €) macht der Andere Verlust (z.B. – 10,- €) und beides summiert sich zu 0,- €. Die Welt ist nicht immer so. Es gibt auch Zusammenhänge, in denen Wachstum möglich wird, in denen die Summen aller Gewinne und Verluste nicht gleich Null sind – ebenso ist es möglich, dass es Schwund gibt, dass einfach alle Verlust machen. Aber im Alltag gehen wir spontan davon aus, dass des Einen Vorteil eines Anderen Nachteil ist. So lange wir auf der Vorteilsseite sind, stört uns das ja auch nicht so doll.

In der urtümlichen, recht überschaubaren Lebenswelt der Menschen war dies aber problematisch. Wenn ich Früchte fand und sie benutzte um MEINEN Hunger zu stillen, dann konnte kein Anderer seinen Hunger damit stillen. Wenn ich die Gunst eines anderen Menschen erwarb, dann war diese Möglichkeit einem Anderen verwehrt. Menschen wurden also zu Rivalen, Rivalen um Ressourcen und die Gunst des Schicksals und der Göttlichen. Was also, wenn ich in einer überschaubaren Gemeinschaft eine solche Rivalität erlebte?

Genau dort beginnt der Mondheldmythos: Des Einen Vorteil und des Anderen Nachteil kann nämlich eine einfache Lösung finden, die allerdings aus heutiger Sicht zunächst irritiert. Wenn Einer nämlich den Nachteil für alle auf sich nimmt, dann erhalten ja die Anderen den Vorteil! Die Idee des sich selber opfernden Heldens entsteht. Kein Menschenopfer im heutigen Verständnis – kein Opfern von Unnötigen, Entbehrlichen, Unliebsamen durch die Hand eines Mächtigen, sondern ein freiwilliges, heldenhaftes Sich-selber-Opfern zum Vorteil der Gemeinschaft, die ich liebe und schützen möchte. Wir kennen dieses heroische Motiv aus Hollywoodfilmen und der Literatur. Zwar verlieren wir den Sich-Opfernden schnell aus dem Blick und schauen nur auf die glücklichen Bevorteilten, aber zumindest bei mir regt sich angesichts dieser Opferbereitschaft und dieses Mutes ein seltsames – nicht negatives – Gefühl. Wenn ich sehe, wie Menschen in Katastrophensituationen ihre eigenen Interessen hintan stellen und ihr Leben und Wohlergehen riskieren, um andere Menschen zu retten, dann überläuft mich ein Schauder… Nicht wohlig aber auch nicht entsetzt…

Was also, wenn die Uridee des Mondhelden genau dort ansetzt: Der eine Bruder opfert sich für das Wohl des Anderen.

Aus einem Buch über das Goldhorn von Gallehus
Aus meinem alten 360°-Blog


Vesta & Ianus

Hof Haake im Museumsdorf Cloppenburg
Hof Haake im Museumsdorf Cloppenburg

Momentan verirren sich meine Gedanken um den Mondheld abwechselnd in die alten Bauernhäuser des Museumsdorfes in Cloppenburg und die römische Mythologie. Ich war auf der Suche nach Informationen zu dem römischen Zwillingspaar Romulus & Remus. Diese sind mit einiger Sicherheit Mondhelden und in Verbindung mit einer wissenschaftlichen Arbeit von Heino Gehrts öffneten sie den Blick auf weitere Aspekte der Geschichte. Nun, die beiden waren auf jeden Fall die Söhne einer Vestalin namens Rhea Silvia und des Gottes Mars. Mars kennen wir heute nur noch als Kriegsgott, aber urtümlich war er wohl ein Feldgott und Gott des Jahresanfangs. Wie dem auch sei: Als ich so im Umfeld las, stolperte ich über den Satz, dass die beiden zentralen Gottheiten der niederen (d.h. häuslichen) römischen Mythologie Vesta und Ianus seien.

Vesta, die Göttin des Herdfeuers, und Ianus, der zweigesichtige Gott der Schwelle, erinnern in besonderer Weise an die Sonnenbraut und den Mondheld. Die Sonnenbraut ist die im alten Sinne jungfräuliche Hüterin des Hauses und des Herdfeuers – kein Aschenputtel, sondern die souveräne Herrin des lichten Kreises. In Rom hüteten die Vestalinen, die Priesterinnen der Vesta, das Staatsfeuer. Doch stärker noch als dieser große Kult war ihr kleiner Kult in jedem Haus. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Rhea Silvia, die Mutter von Romulus und Remus, eine Vestalin war.

Der Mondheld ist ähnlich wie Ianus zweigesichtig. Ein Gesicht wendet sich dem Feuerplatz und damit Vesta zu und eines sucht das Heil in der Fremde. Seit altersher hat den Menschen diese Unentschiedenheit auf der Türschwelle Angst gemacht. Sie bannten den seltsamen Geist, der nicht weiß, wohin er sich wenden soll. Ianus ist uns noch heute als Namensgeber für den Schwellenmonat Januar vertraut. Sein Tor auf dem Forum in Rom zeigte an, ob Krieg oder Frieden herrschte. Ob die Söhne Roms aus der Stadt hinaus ziehen oder in sie zurück kehren durften.

Selbst in den alten Bauernhäusern kommt das Gefühl auf, wie die beiden Gottheiten bis vor wenigen Jahren das Leben der Menschen bestimmt haben… Das Herdfeuer, an welchem man sich auf der Diele erwärmen konnte und die Schwelle, über die man ins Haus oder aus ihm hinaus stolpern konnte…

Hof Wehlburg im Museumsdorf Cloppenburg
Hof Haake im Museumsdorf Cloppenburg

Aus meinem alten 360°-Blog


Der Mondheld und seine Sonnenbraut

Es geht um Sonne und Mond, Frau und Mann, eben um den Mondheld (oder besser die Mondhelden) und seine (ihre) Sonnenbraut.

Der Mondheld ist ein Geschichtenmuster, welches im Märchen und Mythen auftaucht. Es erzählt davon, wie ein Mensch, so wie er ist, sein erstrebtes Ziel niemals erreichen kann. Ein Anderer muss für ihn gehen, er muss ein Anderer werden, um zum Ziel zu gelangen. Die Geschichte erzählt von den Widerständen und Spannungen zwischen den beiden Gestalten: Dem, der sein Ziel nicht erreichen kann, und dem, der es vermag ohne es zu erstreben.

Ein Königsohn verliebt sich unsterblich in eine ferne Königstocher, die so schön wie die Sonne ist. Doch es gibt keinen Weg, wie er um sie werben könnte. So wird er krank - vor Liebeskummer. Sein Ziehbruder und Freund erbarmt sich seiner. Als er erfährt, wie es steht macht er sich auf den Weg. Ihm gelingt das Unmögliche. Er wirbt im Namen seines Freundes um die Frau und sie willigt ein. Doch der Werber muss stellvertretend die Nacht mit ihr verbringen. So legt er sein Schwert zwischen sie und sich. Der Königssohn aber traut seinem Freund nicht und tötet ihn. Bald aber erkennt er die Treue des Ziehbruders und es reut ihn sein Zweifel und seine Eifersucht. Durch das Opfer seiner Kinder vermag er den Freund erneut zu Leben erwecken.

Es gibt viele Varianten des Stoffes. So im Märchen von den zwei Brüdern oder vom treuen Johannes.

Aus meinem alten 360°-Blog