CHRISTOPHBORNEWASSER

Diplom-Psychologe - Fotografie - Erwachsenenbildung - Märchenerzähler

[blogFilter] Mythen

Die Brüder und das Nullsummenspiel

Die Brüder auf dem Goldhorn von Gallehus

Eine Idee, die hinter dem Mondheld steckt, stecken könnte, ist, dass die Menschen die Verbundenheit von Brüdern in einem Schicksal erfahren haben und dass sie die Erfahrung gemacht haben, dass des Einen Vorteil zuweilen des Anderen Nachteil ist. In der Wissenschaft nennt man dies ein Nullsummenspiel. Macht einer Gewinn (z.B. + 10,- €) macht der Andere Verlust (z.B. – 10,- €) und beides summiert sich zu 0,- €. Die Welt ist nicht immer so. Es gibt auch Zusammenhänge, in denen Wachstum möglich wird, in denen die Summen aller Gewinne und Verluste nicht gleich Null sind – ebenso ist es möglich, dass es Schwund gibt, dass einfach alle Verlust machen. Aber im Alltag gehen wir spontan davon aus, dass des Einen Vorteil eines Anderen Nachteil ist. So lange wir auf der Vorteilsseite sind, stört uns das ja auch nicht so doll.

In der urtümlichen, recht überschaubaren Lebenswelt der Menschen war dies aber problematisch. Wenn ich Früchte fand und sie benutzte um MEINEN Hunger zu stillen, dann konnte kein Anderer seinen Hunger damit stillen. Wenn ich die Gunst eines anderen Menschen erwarb, dann war diese Möglichkeit einem Anderen verwehrt. Menschen wurden also zu Rivalen, Rivalen um Ressourcen und die Gunst des Schicksals und der Göttlichen. Was also, wenn ich in einer überschaubaren Gemeinschaft eine solche Rivalität erlebte?

Genau dort beginnt der Mondheldmythos: Des Einen Vorteil und des Anderen Nachteil kann nämlich eine einfache Lösung finden, die allerdings aus heutiger Sicht zunächst irritiert. Wenn Einer nämlich den Nachteil für alle auf sich nimmt, dann erhalten ja die Anderen den Vorteil! Die Idee des sich selber opfernden Heldens entsteht. Kein Menschenopfer im heutigen Verständnis – kein Opfern von Unnötigen, Entbehrlichen, Unliebsamen durch die Hand eines Mächtigen, sondern ein freiwilliges, heldenhaftes Sich-selber-Opfern zum Vorteil der Gemeinschaft, die ich liebe und schützen möchte. Wir kennen dieses heroische Motiv aus Hollywoodfilmen und der Literatur. Zwar verlieren wir den Sich-Opfernden schnell aus dem Blick und schauen nur auf die glücklichen Bevorteilten, aber zumindest bei mir regt sich angesichts dieser Opferbereitschaft und dieses Mutes ein seltsames – nicht negatives – Gefühl. Wenn ich sehe, wie Menschen in Katastrophensituationen ihre eigenen Interessen hintan stellen und ihr Leben und Wohlergehen riskieren, um andere Menschen zu retten, dann überläuft mich ein Schauder… Nicht wohlig aber auch nicht entsetzt…

Was also, wenn die Uridee des Mondhelden genau dort ansetzt: Der eine Bruder opfert sich für das Wohl des Anderen.

Aus einem Buch über das Goldhorn von Gallehus
Aus meinem alten 360°-Blog


Vesta & Ianus

Hof Haake im Museumsdorf Cloppenburg
Hof Haake im Museumsdorf Cloppenburg

Momentan verirren sich meine Gedanken um den Mondheld abwechselnd in die alten Bauernhäuser des Museumsdorfes in Cloppenburg und die römische Mythologie. Ich war auf der Suche nach Informationen zu dem römischen Zwillingspaar Romulus & Remus. Diese sind mit einiger Sicherheit Mondhelden und in Verbindung mit einer wissenschaftlichen Arbeit von Heino Gehrts öffneten sie den Blick auf weitere Aspekte der Geschichte. Nun, die beiden waren auf jeden Fall die Söhne einer Vestalin namens Rhea Silvia und des Gottes Mars. Mars kennen wir heute nur noch als Kriegsgott, aber urtümlich war er wohl ein Feldgott und Gott des Jahresanfangs. Wie dem auch sei: Als ich so im Umfeld las, stolperte ich über den Satz, dass die beiden zentralen Gottheiten der niederen (d.h. häuslichen) römischen Mythologie Vesta und Ianus seien.

Vesta, die Göttin des Herdfeuers, und Ianus, der zweigesichtige Gott der Schwelle, erinnern in besonderer Weise an die Sonnenbraut und den Mondheld. Die Sonnenbraut ist die im alten Sinne jungfräuliche Hüterin des Hauses und des Herdfeuers – kein Aschenputtel, sondern die souveräne Herrin des lichten Kreises. In Rom hüteten die Vestalinen, die Priesterinnen der Vesta, das Staatsfeuer. Doch stärker noch als dieser große Kult war ihr kleiner Kult in jedem Haus. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Rhea Silvia, die Mutter von Romulus und Remus, eine Vestalin war.

Der Mondheld ist ähnlich wie Ianus zweigesichtig. Ein Gesicht wendet sich dem Feuerplatz und damit Vesta zu und eines sucht das Heil in der Fremde. Seit altersher hat den Menschen diese Unentschiedenheit auf der Türschwelle Angst gemacht. Sie bannten den seltsamen Geist, der nicht weiß, wohin er sich wenden soll. Ianus ist uns noch heute als Namensgeber für den Schwellenmonat Januar vertraut. Sein Tor auf dem Forum in Rom zeigte an, ob Krieg oder Frieden herrschte. Ob die Söhne Roms aus der Stadt hinaus ziehen oder in sie zurück kehren durften.

Selbst in den alten Bauernhäusern kommt das Gefühl auf, wie die beiden Gottheiten bis vor wenigen Jahren das Leben der Menschen bestimmt haben… Das Herdfeuer, an welchem man sich auf der Diele erwärmen konnte und die Schwelle, über die man ins Haus oder aus ihm hinaus stolpern konnte…

Hof Wehlburg im Museumsdorf Cloppenburg
Hof Haake im Museumsdorf Cloppenburg

Aus meinem alten 360°-Blog


Wieder ist Samhain 2007

Newgrange alte Postkarte (Quelle nicht bekannt) - Co. Meath - Irland

Es ist Samhain
Heute ist ein Tag die Tore zwischen den Welten sind offen

Wenningstedt - Denghoog - Sylt - Deutschland

Heute ist wieder so ein Tag, ein Tag an dem die Tore zwischen den Welten geöffnet sind. Lies mehr…

Irland - Lough Leane - 2006

Lough Leane

Der verzauberte Hirsch

Vor langer, langer Zeit - an einem Frühlingsnachmittag - kehrte O’Sullivan von Tomies mit seinen Jagdhunden heim. Da erblickte er einen prachtvollen Hirsch - groß wie ein Pferd, mit einem ausladendes Geweih. Nun O’Sullivan war rechtschaffend müde - war er doch schon morgens aufgebrochen. Doch so ein stolzes Tier konnte der Jäger nicht ziehen lassen. Er ließ seine Hunde los und jagte dem Hirsch nach.

Es war eine wilde Jagd! Der Hirsch sprang ihnen davon und rannte in einem fort. Am Lough Leane entlang, durch die Schlucht von Dunloe und über die Kuppen der Purpurnen Berge, vorbei am Berg, den man Adlerhorst nennt. Doch mit einem Mal - war er verschwunden. Noch nie hatten O’Sullivans Hunde eine Fährte verloren. Verwirrt blickte der Jäger um sich und entdeckte oberhalb einen großen Mann auf einem Felsvorsprung stehend:Das war kein anderer als Fionn MacCumhal. “Du dreister Kerl jagst meinen Hirsch nach?”, dröhnt er. Die Berge erzittern. O’Sullivan aber stieg furchtlos hinauf zu Fionn und sprach: “Jeder wahre Ire hat doch wohl das Recht zu jagen! Nicht mehr und nicht weniger beanspruche ich für mich! Und wie dem auch sei: Ich würde es jederzeit wieder tun.” Seine Verwegenheit gefiel Fionn. Er schlug den Jäger auf den Rücken und lachte: “Wärst es nicht du, O’Sullivan, gewiss - du würdest meine Rache zu spüren bekommen. Aber mein Hirsch hat dich wohl ziemlich weit gehetzt. Ich lade dich ein, willst du was trinken?” Mit seiner Ferse trat Fionn in den Fels und an dieser Stelle sprang eine Quelle hervor. Ein Bach stürzte sich den Berg hinab. O’Sullivan trank davon und es war der beste Whiskey Irlands.

Und wirklich die Quelle sprudelte noch lange Zeit - bis die Fremden kamen und ihre Füße auf Irlands Boden setzten. Seither führt der Bach nur noch Wasser. Aber seinen Namen hat der Wasserfall behalten: O’Sullivans Cascade.

Aus “Legends Of Killarney”, übersetzt und nacherzählt von mir

Aus meinem alten 360°-Blog


Es ist Samhain…

Heute ist ein Tag…

die Tore zwischen den Welten sind offen…

Erster Blogeintrag von Samhain 2006
CSS-Animation und Bild 2018 ergänzt