CHRISTOPHBORNEWASSER

Diplom-Psychologe - Fotografie - Erwachsenenbildung - Märchenerzähler

Von der Königstochter und dem kleinen Frosch - 2007

Froschkönig gezeichnet von Otto Ubbelohde, von mir koloriert Also: Da war einmal ein König, der hatte drei Töchter, die waren alle schön, aber die Jüngste war die Schönste von allen. Sie war so schön, dass selbst die Sonne, die ja schon so viel gesehen hat, sich jedes Mal, da sie ihrer ansichtig wurde, wunderte... Und - ich wette - wenn ihr sie sehen könntet, dann stündet ihr mit offenen Maul da und würdet staunen... Und dabei würdet ihr nicht wirklich intelligent aussehen... Ich weiß, wovon ich rede!

Nun gut, hübsch war sie, das kann keiner leugnen. Aber irgendwie war sie ein komisches Mädchen. Häufig langweilte sie sich und dann ging sie hinunter in den Garten des väterlichen Schlosses, quer über die Wiese zu den Bäumen und dort bog sie dann ab, ging an dem kleinen See entlang in den Wald, der da wuchs. Dann noch ein wenig bergan, dort war ein kleiner Quell, der sprudelte munter vor sich hin. Heute würde sie sicher woanders hin gehen. Heute würde sie shoppen fahren, mit ihren Freundinnen und Kumpels abhängen oder zu Hause bleiben, ihren PC anwerfen, durch die Welt surfen und chatten, was das Zeug hält, oder mit ihrem Gameboy oder irgendeiner anderen Konsole spielen...

Am Quell angekommen, schaute sich das Mädchen sicherheitshalber um, ob ihr nicht irgendjemand gefolgt sei. Dann warf sie ihren goldenen Ball - naja, der war natürlich nicht wirklich aus Gold - ich mein: Überlegt mal, wie schwer so'n Teil wäre. Damit könnte keiner spielen! Das war also nur ein ganz normaler Ball, der halt goldfarben war. Aber ihr war das egal. Sie mochte den Ball leiden. Sie wusste sich nichts Schöneres, als ihren Goldball zu werfen und ihn zu fangen... Das war ihr liebster Zeitvertreib - na, ob das viel besser ist als Spielkonsole, ich weiß nicht...

Nun passierte es aber, dass der Ball einmal so doof hinaufgeworfen und so doof herunter gekommen war, dass sie ihn nicht hätte fangen können, es sei denn, sie wäre mit samt Klamotten in den kleinen Quellteich gesprungen. Na, sie überlegte noch, ob sie es tun sollte, aber da machte es schon »plumps« und das Ding verschwand im kühlen Nass... »Upps«, dachte sie, »wie das jetzt?« Denn der Ball, war doch eigentlich leicht genug zum Werfen und nun fällt er ins Wasser und geht einfach so unter... »Wenn da mal nicht ein böser Zauber im Spiel ist«, denkt sie noch so bei sich und blickt verwundert in den Teich. Im Wasser formiert sich eine Gestalt, die langsam aber stetig zur Wasseroberfläche hinauf kommt. Nein, es ist nicht der Ball, der es sich anders überlegt hat und nun doch schwimmen kann, nein, es ist nicht golden sondern grün. Und es hat kurze Vorder- und große Hinterfüße... Es ist ein Frosch! Und wie der auftaucht, da ist’s so, als wenn auf seinem kleinen Kopf zwischen den Augen eine goldige Blüte kleben würde - sieht fast aus wie 'ne kleine Krone.

Kaum oben quakt er sie schon an: »Ich glaub es hackt! Was soll'n das? Kannst Du nicht aufpassen? Sitzt man hier nichtsahnend und träumt vor sich hin und dann schmeißt Du mit Goldkugeln nach einem...« »Oh, 'tschuldigung!«, sagt sie ganz verdattert - nicht, weil der Frosch sie anquakt, sondern, dass er SO sauer ist, »war keine Absicht!« »Das kann man ja immer sagen...«, grummelt der weiter, aber seine Gesichtszüge - soweit man von so was bei einem Frosch reden kann - entspannen sich schon wieder ein Bisschen. »Ach«, denkt er nämlich bei sich, »so von Nahem betrachtet, ist das ja 'ne dolle Braut...« Fragt mich jetzt nicht, was sich Frösche unter einer »dollen Braut« vorstellen. So viel ich weiß, lassen sich die Froschmännchen - die übrigens meist viel kleiner als die Weibchen sind - von ihren Frauen durch die Gegend tragen. Und so gesehen, wäre die Königstocher natürlich eine echt gute Partie. Königstöchter kommen schließlich weit herum.

Was soll ich euch sagen? Es dauert nicht lange, da sitzen die beiden da am Teich und plaudern, über dies und das. Aller Ärger ist beim Frosch verraucht und die Königstochter hat sich auch wieder beruhigt. Und der Frosch erzählt ihr eine Geschichte, die er mal von einem anderen Frosch gehört hat, dass nämlich hier in der Gegend ein verwunschener Froschkönig sein Leben friste und dass er nur darauf wartete, endlich mal 'ne echte Königstochter zu treffen und sich von ihr abschleppen zu lassen. Und dann habe das auch irgendwie geklappt. Und er sei mit der Königstochter nach Hause gegangen, habe sich in ihrem Handtäschchen versteckt und habe sich an ihrem Vater vorbei in ihr Schlafgemach geschlichen - wie schleichen Frösche eigentlich? - und dann hätten sie die amüsanteste Nacht gehabt, die man sich vorstellen könne - feucht, fröhlich, so zu sagen. Am andern Morgen sei er noch immer ein Frosch gewesen und die enttäuschte Königstochter hätte ihn genommen und an die Wand geklatscht. »Na ja, er hat's überlebt. Konnte sich dann wieder zurück in den Teich retten und schwört seit her, sich nicht mehr mit Prinzessinnen einzulassen. Und wenn er nicht gestorben ist, dann quakt er noch heute«, endet der Frosch. Die Königstochter lacht herzlich und erzählt dem Frosch ein anderes Märchen.

Und die Zeit vergeht, es wird Abend. Es dämmert schon und die beiden plaudern immer noch. Da hört das Mädchen mit einem Mal Rufen und zwei Männer aus der Leibgarde ihres Vaters kommen mit einer Laterne des Weges und suchen sie... Über's Plaudern mit dem Frosch, hat das Mädchen glatt die Zeit vergessen. Sie verabschiedet sich von dem Frosch und der verschwindet in dem Quell. Zu Hause muss sie sich eine Standpauke von ihrem Vater anhören. Der hatte sich natürlich Sorgen gemacht, als sie zum Abendessen nicht heimgekommen war. Und die blöde Ausrede mit dem sprechenden Frosch fand er gar nicht witzig. An dem Abend musste sie ohne Essen ins Bett und da lag sie, und träumte... von ihrem kleinen Froschkönig...

Anderntags lief sie wieder in den Wald, zu dem Quell. Da lag ihr goldener Ball im Gras daneben, aber vom Frosch mit der goldenen Blüte auf dem Kopf fehlte jede Spur. Sie rief ihn... aber er antwortet nicht. Sie ließ den Ball in den Quell fallen, aber - welch Wunder! - der schwamm und ging nicht unter! Ganz verzweifelt setzte sich die Königstochter an den Quell und weinte, weinte bitterlich, schrie, dass sich die Steine erbarmen. Denn sie hatte sich verliebt, in einen kleinen Wasserpatscher, den kleinen grünen Frosch mit einer goldenen Blüte auf dem Kopf...

Merke:
Froschkönige und Traumprinzen sind wirklich süß
aber das Erwachen am nächsten Morgen
bringt die Wirklichkeit zum Vorschein!

Bild nach Otto Ubbelohde aus der digitalen bibliothek - Band 110 - Europäische Märchen und Sagen - Von mir koloriert!

Aus meinem Peronnik L'Idiot Blog auf 360°