CHRISTOPHBORNEWASSER

Diplom-Psychologe - Fotografie - Erwachsenenbildung - Märchenerzähler

Wieder ist Samhain 2007

Newgrange alte Postkarte (Quelle nicht bekannt) - Co. Meath - Irland

Es ist Samhain
Heute ist ein Tag die Tore zwischen den Welten sind offen

Wenningstedt - Denghoog - Sylt - Deutschland

Heute ist wieder so ein Tag, ein Tag an dem die Tore zwischen den Welten geöffnet sind.

Auch wenn die Kids gestern abend nur ihr Heil in „Süßes oder Saures“ suchten… Und ihre Gruselkostüme nach amerikanischem Vorbild trugen. Und nichts wussten… nichts wussten über das, was das, was sie tun, mit Sankt Martin, mit Allerheiligen zu tun hat. Was es mit Irland und den Kelten… dem Winteranfang und dem Hunger zu tun hat… Was es mit den Megalithgräbern und den alten, längst vergessenen Göttern und den Feen und Elfen zu tun hat…

Werpeloh - Klöbertannen - Emsland - Deutschland

Für die alten Kelten begann mit Samhain der Winter. Und dies war die schwierigste Zeit im Jahr: Viele Menschen starben da, an Krankheit und Hunger. Darum besann man sich auf die Ahnen und suchte die Verbindung mit ihnen. Wo anders als an ihren Gräbern konnte man Verbindung mit ihnen finden? Aber da waren auch die Gräber der Anderen… Die Gräber jener Kultur, die vor den Kelten da waren: Jene großen Steinmonumente mit Pforten ins Dunkel der Erde, in den Schoß von Mutter Erde, jener Gottheit, die alles gab und alles nahm, die die Mutter aller anderen Götter war. Überall im Land der Kelten gab es diese Steingräber, die an Mutter Erde erinnerten.

Und man erzählte, dass dort drunten die Ahnen der Ahnen lebten. Nicht die eigenen Vorfahren, sondern die Vorfahren derer, die das Land vor ihnen bewohnt haben. Manche nannten diese Ahnen die Götter. Manche die Feen. Was hatten diese mit den Jetzigen zu tun? Nun Mutter Erde, die nun wohltätig zu uns ist, hat sie seiner Zeit ebenso geliebt… In jedem Fall waren diese Steinpforten geheime Pforten in die Anderswelt. Das konnte jeder spüren, der dort eine Weile verbrachte und der womöglich an einem Tag des Übergangs – d.h. Samhain oder Beltaine – dort verweilte… Denn an diesen Tagen, war die Tür zur Anderswelt nur angelehnt… wenn nicht offen… Durch Opfer und Feiern versuchte man die Wesen der Anderswelt gütlich zu stimmen. Man gab ihnen Süßes – Speis und Trank – damit sie einem nicht Saures – Gespenster und Grusel – brachten. Überall – nicht bloß in Irland -, wo das Land und seine Göttin heilig war, wurden ähnliche Feste gefeiert. Lediglich der Zeitpunkt variierte. Überbleibsel gibt es bis heute: Zu Sankt Martin zogen am Niederrhein die Kinder von Haus zu Haus und forderten Gaben und drohten mit üblen Streichen. In der süddeutschen Fastnacht gegen Ende des Winters zogen Wintergeister Schrecken verbreitend durch die Dörfer, während andernorts zu Karneval Süßes in die Menge geworfen wird. Mancherorts ziehen die Menschen zu Allerheiligen auf den Friedhof und zechen und feiern auf den Gräbern ihrer Vorfahren…

Umgekehrt erzählen die Menschen von der Bedrohung durch die ruhelosen Toten. Sie erzählen von der wilden Jagd, die im Winter – in den Zwölften – durch die Welt jagt und Schrecken bringt. Sie erzählen von Frau Holle, der alte germanische Erdgottheit, die schrecklich anzusehen ist und im Winter die Häuser der Menschen heimsucht: Sie prüft den Eifer und die Gesinnung der Menschen, belohnt die Fleißigen und straft die Faulen. Und nicht von Ungefähr erinnert dies an den heiligen Nikolaus und seinen Knecht Rubrecht. Letzterer stammt eindeutig aus dem Gefolge der Göttin.

Groß Berßen - Grab 7 - Rekonstruktion - Emsland - Deutschland
Hier wohnt ein reicher Mann,
der uns was geben kann.
Viel soll er geben,
lange soll er leben,
selig soll er sterben,
das Himmelreich erwerben.
Laßt uns nicht so lange stehn,
denn wir müssen weitergehn, weitergehn.

So sangen die Kinder zu Sankt Martin. Und wenn der „reiche Mann“ knauserig war, dann gab es Schmählieder.

Mich interessieren ja die alten Pforten mehr als die Erinnerungen im Brauchtum… Ich besuche die Steingräber und schaue in die Pforten zur Anderswelt… Ja, ich weiß auch nicht, was ich da sehen will… Aber etwas zieht mich da hin. Und jedesmal warte ich auf einen Blick hinüber ins andere Reich. Auf den Wink einer Fee. Auf die Ansprache durch Mutter Erde als die Herrin dieses, meines Landes…

Werpeloh - Klöbertannen - Emsland - Deutschland

Irgendwie verbinden sich zu Samhain die verschiedenen Stränge meines Lebens, die verschiedenen Interessen. Die Geschichten und die Erzählungen, die mich faszinieren und die Dinge und Orte, die ich immer wieder aufsuche, weil sie mir etwas zuflüstern, das ich noch nicht verstehe, aber einst verstehen werde… Hoffentlich…


Loughcrew Carnbane East T - Co. Meath - Irland

Ausgegrabener Beitrag aus meinem alten Blog von Samhain 2007.