CHRISTOPHBORNEWASSER

Diplom-Psychologe - Fotografie - Erwachsenenbildung - Märchenerzähler

Peredur uab Evrawc (Blog)

Peredur ist eine walisische Variante von Parzival oder Perceval.

Dies ist ein unvollendeter Versuch einer Nacherzählung.

In der Waldeinsamkeit mit seiner Mutter

Peredure jagt

Peredure jagt

In einer einsamen Gegend des alten Britanniens, einer Wildnis zwischen Wäldern und Hochmooren, fern ab von jeder Siedlung und Burg, da lebte die Witwe des Evrawc mit ihrem einzigen, ihr noch gebliebenen Sohn Peredur. Ihr Gatte und ihre 6 anderen Söhne, große Krieger und Ritter, weithin geachtete Helden, waren alle im Kampf gefallen. Und der Gedanke, dass auch ihr jüngster Sohn in den Krieg ziehen und einen Heldentod suchen und finden könnte, brach ihr das Herz. Nur mit einigen wenigen Dienern, denen es untersagt war, irgendetwas vom Rittertum und dem Feldern der Ehre zu sagen, ja, denen es verboten war, Kampf und Bewährung zu erwähnen, zog sie sich in diese Einöde zurück. Hier glaubte sie fortan glücklich und in Frieden leben zu können.

Die Diener sollten zu sehen, dass der Junge nicht sich mit Kampfspiel oder Ähnlichem beschäftigte. Ja, man versuchte den Knaben jede Herausforderung zu nehmen. Die Diener gingen jagen. Der Knabe musste die Ziegen hüten auf der Nahen Lichtung. Weiß Gott, kein Abenteuer war da in Sicht... glaubten sie.

Eines Tages aber da sah Peredur zwei Rehe auf der anderen Seite der Lichtung. Er wunderte sich über die seltsamen Ziegen und meinte es müssten wohl Ziegen sein, die seiner Mutter schon vor langem entlaufen seien. Und als es Zeit war, da nahm er sich eine Gerte und trieb die Ziegen heim. Nun: die Rehe wollten nicht mit gehen, aber der Jüngling lief so schnell und geschickt und treib sie in die Herde zurück und brachte sie glücklich mit den Ziegen in ihren Stall. Er hatte es geschafft, aber er war weitaus mehr gelaufen als gewöhnlich.

So kam es, dass er von der vielen Lauferei so erschöpft war, dass man ihn gleich nach dem Grund dafür fragte. »Nein,« sagte Peredur, »es war nichts besonderes heute. Aber ich habe zwei Ziegen wiedergefunden, die uns wohl einmal entlaufen sein müssen, aber ich habe sie mit den anderen in den Stall gebracht.« Da gingen einige Diener hinaus, um zu schauen, was vorgefallen war... Als sie die Rehe unter den Ziegen sahen, da schauten sie sich bedeutungsvoll an. »Wahrlich,« sagte ein Alter, »wer das vollbringt, von dem kann man noch viel mehr erwarten.«

Peredur begegnet den Rittern

Peredur begegnet den Rittern

Eines Tages nun – da sahen sie drei Ritter am Waldrand entlang reiten. Es war Owein uab Urien, gefolgt von Gwalchmei uab Gwyar und Gwair uab Gwystl. Sie suchten jenen Ritter, der am Hofe Arthurs Äpfel verteilt hatte – aber das ist eine ganz andere Geschichte, die werde ich wohl besser ein andermal erzählen. Auch Peredur sah die Ritter und er fragte: “Mutter, was sind jene dort?”

“Das sind Engel, mein Sohn!”, antwortete sie.

“So will ich selbst als Engel mit ihnen ziehen!”, gab Peredur zurück und lief zum Pfad, den Rittern entgegen.

“Sage, mein Freund”, sprach ihn Owein an, “hast du einen Ritter hier vorbeiziehen sehen, gestern oder heute?”

“Das weiß ich nicht”, antwortete Peredur, “was ist denn ein Ritter?”

Owein blickte seine Begleiter an und sie lächelten nachsichtig. “Nun: so einer wie wir ist das”, gab Owein zurück.

“Wenn du mir sagst, wonach ich dich frage, dann will ich dir wohl sagen, was du wissen willst.”

“Das will ich gerne”, sagte Owein.

“Dann sage mir, was dies dort ist?”, fragte Peredur und deutete auf den Sattel des Ritters.

“Dies ist ein Sattel”, sagte Owein. Und Peredur begann nach allem zu fragen, was er sehen konnte und was er wissen wollte, wozu es gut sei und wie man es benutze. Und der Ritter lächelte zwar das ein oder andere Mal aber er gab trotzdem dem Jungen ausführlich Bescheid.

“Reitet nur weiter”, sagte endlich Peredur, “gestern zog einer wie ihr dort oben entlang in jene Richtung. Nun aber werde ich mich fertig machen und dann will ich euch als Ritter nachfolgen.”

Die Ritter verabschiedeten sich und zogen weiter. Peredur aber kehrte zu seiner Mutter und dem Gesinde zurück. “Mutter”, sprach er, “dies dort waren keine Engel, es waren Ritter.” Da brach seine Mutter zusammen und fiel in eine tiefe Ohnmacht. Peredur aber ging in den Stall. Dort standen die Pferde, mit denen man Brennholz aus dem Wald, Trank und Speise aus den umliegenden Ansiedlungen holte. Dort stand ein alter, knochiger Gaul. Peredur hielt es für das beste Pferd und legte ihm einen Korb aus Binsen über – als Sattel. Aus Weidenruten machte er sich Zaumzeug, so wie er es bei den Rittern gesehen hatte. Und aus einer Ecke holte er sich einige angespitzte Wurfspieße, die die Diener zur Jagd benutzten.

Dann ging er zu seiner Mutter, die mittlerweile aus ihrer Ohnmacht erwacht war. “Nun, du willst aufbrechen?”, fragte die Gräfin.

“Ja, Mutter.”

“Warte dann noch, denn ich will dir Rat geben.”

“Ja, Mutter. Aber sprich schnell, denn ich will los.”

“So zieh an Arthurs Hof, wo die besten und tapfersten Männer sind. Dort wirst du willkommen sein. Wo immer du eine Kirche siehst, bete vor ihr dein Vaterunser. Wenn du Hunger und Durst hast, man dir aber Speise und Trank nicht aus Höflichkeit anbietet, so nimm sie dir selbst. Wenn du Schreie hörst, so gehe dem nach. Dem Schrei einer Frau noch eher als jedem anderen. Wenn du Edelsteine siehst, so nimm sie und schenke sie einem anderen – davon wirst du Ruhm haben. Wenn du eine schöne Frau siehst, so begehre sie, auch wenn sie dich abweist. Einen besseren Menschen wird es aus dir machen.”

Darauf dankte Peredur seiner Mutter und verabschiedete sich. Ohne sich umzublicken ritt er davon.

...

Nach einer walisischen Geschichte - bislang unvollendet - Nacherzählt

Märchen und Sagen aus dem Joomla-Blog www.MONDHELD.de


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